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TRAUMA RESPONSES

MAI 2023


Hallo ihr lieben,

Diese Woche hatte ich eine spannende Einsicht.

In einer Therapiesitzung machte sich nochmal ein altes Trauma bemerkbar. In meiner Ausbildung lerne ich zudem gerade mehr über Trauma und die Bewältigungsstrategien, die wir in solch aussergewöhnlichen Situationen anwenden. Ihr kennt bestimmt schon die Fight, Flight und Freeze Responses. Dies sind unsere eingebauten Mechanismen, die unser System ganz automatisch einschaltet, wenn unser Leben bedroht sein könnte. Passiert irgendetwas, das uns in Gefahr bringt, stellt unser Körper innert Bruchsekunden auf Alarmstufe rot um. Adrenalin wird freigesetzt, das sympathische Nervensystem wird aktiviert, Energie fliesst in unsere Muskeln, um besser kämpfen oder fliehen zu können. Unwichtige Körper- und Hirnfunktionen wie Verdauung und Socializing Skills werden auf Hold gesetzt und der Fokus liegt auf dem nackten Überleben. Stell dir vor, du läufst nachts durch die Strassen und jemand überfällt dich. Augenblicklich wird dein ganzes System umschalten auf

Fight = Kampf

Flight = Flucht

oder

Freeze = Erstarren

Du wehrst also instinktiv den Angreifer ab, du rennst weg oder vielleicht bist du so schockiert, dass du gar nichts tun kannst und erstarrst.

Obwohl in diesem Beispiel die Freeze Response nicht als besonders geschickt erscheint, ist sie in anderen Situationen genauso bedeutsam, wie das Kämpfen oder Flüchten. All diese Reaktionen können wir auch bei Tieren beobachten. Für gewisse Tiere wie z.B. Hasen, Opossums oder Rehkitz ist das Erstarren die effektivste Strategie, ihre Feinde abzuwehren. Denn manche Angreifer können ihre Beute nicht wahrnehmen, wenn sie sich nicht bewegt.

Genau so schützt die Freeze Response uns Menschen in Situationen, in denen Kampf oder Flucht vielleicht keine Optionen mehr sind. Durch das Erstarren dissoziieren wir und empfinden in diesem Moment keinen oder weniger Schmerz, was uns in diesem Moment hilft.

Es gibt jedoch noch eine vierte Reaktion, von der ich vorher noch nie gehört hatte. FAWN. Im deutschen können wir das Wort leider nicht so 1:1 übersetzen, aber "besänftigen" passt ganz gut.

Beispiel: Du bist als Frau alleine in einer Bar und ein betrunkener Typ macht dich an. Statt ihn z.B. wegzuschubsen (fight) oder wegzulaufen (flight) fühlt es sich am sichersten an, nett zu dem Typen zu sein, vielleicht verlegene Witze zu machen oder ihm sonst irgendwas vorzutäuschen, um ihn bei Laune zu halten und nicht zu riskieren, dass er austickt.

Ich denke auch als Kinder haben viele von uns wohl diese Strategie gewählt. Sagen wir, dein Vater war oft laut und aggressiv. Du hattest Angst vor ihm, aber kämpfen würde aufgrund des Grössenunterschieds keinen Sinn machen. Auch fliehen kannst du nicht, da du von deinen Eltern abhängig bist. Da bleibt Freeze oder Fawn. Viele Kinder wählen Fawn und sind dann besonders lieb zu Papa, nehmen die Schuld für Papas Frust auf sich und entschuldigen sogar sein Verhalten.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Wie oft hatte ich das gemacht. Wie oft wurde diese Trauma Response in allen möglichen Situationen bei mir aktiviert, ohne dass ich mir bewusst war, dass das eine offenbar übliche Strategie ist. Kennst du das auch? Oder siehst du dich in eine der anderen Reaktionen?

Wir haben alle unterschiedliche Tendenzen, zu welchen Strategien wir in Gefahrensituationen greifen. Basierend auf was wir von unseren Eltern vorgelebt bekommen haben, unseren eigenen Erfahrungen und vielleicht unserem Charakter, neigen einige von uns eher zum Kämpfen, andere zum Flüchten etc. Jede dieser Reaktionen kann uns das Leben retten und gleichzeitig kann jede auch destruktive Konsequenzen haben. Denn es braucht nicht super schlimme Ereignisse, um solche Reaktionen bei uns auszulösen. Es können auch ganz alltägliche Dinge eine subtile Form der Bewältigungsstrategien hervorrufen. So ist Suchtverhalten z.B. eine subtile Form von Flucht, People Pleasing eine subtile Form von Fawn und Netfilx Binge Watching eine subtile Form von Freeze, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Wenn wir uns diesen Verhaltensmustern bewusst sind, können wir einfacher erkennen, wann wir uns in einer Trauma Response befinden und darauf achten, dass wir uns danach entsprechend regulieren. Denn Trauma ist nicht das Ereignis, das uns widerfährt, sondern bleibt nur in unserem System, wenn wir uns nach dem Schock nicht wieder regulieren können. So wie der Hase, der nach seiner Begegnung mit dem Wolf von seiner Starre aufwacht, sich einmal gut durchschüttelt und wieder friedlich weiterhoppelt.

Mehr über Regulierungstechniken demnächst ;)

Was ist /sind deine Trauma Response/s?

Erkennst du auch subtile Formen davon in deinem Alltag? Magst du deine Erfahrungen, Gedanken oder Kommentare zu diesem Thema mit mir teilen? Sende mir eine Mail oder kommentiere diesen Blogbeitrag (Du musst dich via Button oben rechts "Anmelden/Registrieren" um Kommentare schreiben zu können.)

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Vanessa

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