Lovers to Friends
- Vanessa

- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
November 2025

Während ich heute Morgen auf feuchter Erde durch den Herbstwald spazierte, erklangen in meinem Kopf plötzlich die Zeilen eines alten Nelly-Furtado-Songs:
Flames to dust
Lovers to friends
Why do all good things come to an end?
Besonders die Worte “Lovers to friends” flimmerten in meinen Gedanken. Denn es ist ein Thema, mit dem ich mich in den letzten Wochen immer wieder beschäftige.
Können Lovers wirklich zu Friends werden?
Falls du meinen vorletzten Beitrag zu Monogamy vs. Polygamy gelesen hast, erinnerst du dich vielleicht noch, dass ich im Frühling eine besondere Verbindung mit einem aussergewöhnlichen Mann erleben durfte. Nachdem aber unmissverständlich klar wurde, dass wir gerade andere Dinge im Leben wollten – ich eine stabile Partnerschaft, er Unverbindlichkeit und Freiheit – haben wir unsere romantische Verbindung Anfang Sommer beendet. Oder besser gesagt: Ich habe sie beendet.
Obwohl es schmerzhaft war und schon eine Verletzung stattgefunden hatte, spürte ich auch, dass ich ihn nicht einfach „abschneiden“ wollte. Manchmal braucht man bei tiefen Verletzungen diesen Bruch, und man macht zu, weil es sonst zu schmerzhaft wäre – eine kluge Selbstschutzstrategie. Doch diesmal war es anders. Irgendwie gelang es mir, mein Herz offen zu halten.
Bei unserem letzten Treffen damals sprachen wir darüber, wie wir diesen Break-up liebevoll gestalten könnten, und ich schlug vor, dass wir etwas ausprobieren könnten, das ich noch nie so gemacht hatte – Break-up soft quasi. Nämlich, dass es keinen krassen Cut, keinen Verbindungs- und Kontaktabbruch und keine augenblickliche Distanz geben muss, sondern dass wir über Nachrichten im Austausch bleiben dürfen und gegenseitig offen und bereit sind, für die Gedanken und Gefühle des anderen Raum zu halten. Trotzdem mit der Intention, dass es lediglich den Übergang vom Zusammensein zum Nichtzusammensein erleichtern soll und es dann at some point schon zu einer Distanz kommen muss. Und das war richtig schön. Ich denke, es waren ca. vier Wochen, in denen wir nochmals Trauer, Ängste, Zweifel, Schmerz, Trigger, Wut, Mitgefühl, Verständnis und Liebe teilten. The whole spectrum. Und dann kam der Zeitpunkt, an dem wir beide fanden: Ja, jetzt bin ich bereit, in die Distanz zu gehen. Alle Gedanken waren gedacht, alle Gefühle gefühlt, alle Worte gesprochen. Und so hatte ich ihn losgelassen. Natürlich dachte ich immer mal wieder an ihn, aber es war kein schmerzliches Hinterhertrauern. Ich fühlte mich ziemlich klar und stark mit der Tatsache, dass es wohl einfach nicht hat sein sollen mit uns – zumindest nicht als Lovers oder Partner.
Bis zum Tag vor meinem Geburtstag. Es war der Tag, an dem meine Mama starb, und ich erinnere mich noch gut, wie ich spät abends erschöpft, weinend und mit tausend wirren Gedanken im Bett lag und keinen Schlaf fand. Kurz nach Mitternacht surrte mein Handy. Eine Nachricht von ihm. Es waren jetzt ca. zwei Monate, in denen wir keinen Kontakt gehabt hatten.
„Happy Birthday!“, las ich mit brennenden, verquollenen Augen. Obwohl ich zuvor keinen Moment daran gedacht hatte, war es wie ein Geschenk, dass er sich in genau diesem Moment meldete. Ich merkte, dass er der perfekte Mensch war, der mich in jenem einsamen, schmerzgetränkten Moment aus der Ferne halten konnte. Es war egal, was in der Vergangenheit zwischen uns war. Ich spürte: Er war einfach ein Mensch, den ich liebte, dem ich vertraute und dessen Medizin ich nun brauchte. Nicht als Lover, nicht als Partner, aber als Mensch – ja, vielleicht als … Freund?
Und so nahmen wir unsere Verbindung wieder auf – nicht ganz ohne ambivalente Gefühle meinerseits. Denn ich wusste: Es ist auch ein Spiel mit dem Feuer. Kann ich mit ihm in Kontakt sein, ohne wieder eine romantische oder sexuelle Sehnsucht zu entwickeln? Kann oder will ich damit umgehen, dass er weiterhin andere Frauen kennenlernt? Kann ich meine Wunschvorstellungen, Ansprüche und Erwartungen, die ich auf ihn als potenziellen Partner projiziert habe, aussen vor lassen und ihm auf einer anderen Ebene begegnen? Ist es möglich, ihn trotzdem als Ally, als Verbündeten, als Ressource – eben als Freund – in dieser schweren Zeit an meiner Seite zu haben, auch wenn klar ist, dass es keine Aussicht auf ein romantisches Happy End mit uns gibt? Soll ich besser wieder einen Schlussstrich ziehen, oder ist es gerade ok, diesen emotionalen Support anzunehmen?
All diese Gedanken schwirren immer wieder in meinem Kopf, der sagt: “Better don’t do this. Es ist noch zu frisch und du bist gerade verletzlicher als sonst."Doch mein Herz sagt: “It’s ok. Du darfst dich gerade halten lassen. Sein Mitgefühl und sein Wunsch dir beizustehen, sind aufrichtig. Solange du im Herzen offen bleibst, kannst du nur gewinnen.”
Ich würde mir etwas vormachen, wenn ich sagen würde, ich bin zu 100 % über ihn hinweg und da ist 0 % Attachment und Hoffnung übrig und ich begegne ihm jetzt auf einer rein freundschaftlichen Ebene. Doch scheint dieser Anteil genug hoch bzw. tief zu sein, dass es gerade ganz gut funktioniert. Da ich ihn schon "verloren" habe, habe ich nichts zu verlieren, nur zu Gewinnen.
Kann ich "loslassen" bzw. gelöst bleiben, während ich „in Verbindung“ bleibe?Können Lovers wirklich zu Friends werden?
I still don’t really know the answer. Ich glaube, das kann ich nur herausfinden, indem ich es ausprobiere. I think it's worth a try. Schliesslich ist auch meine erste grosse Liebe zu meinem besten Freund geworden und ist nun seit über 20 Jahren ein treuer Begleiter auf meinem Lebensweg.
Solange Verletzungen da sind, man nicht wirklich vergeben oder seine Erwartungen loslassen konnte, wird es wohl schwierig, nach einer Beziehung eine liebevolle Freundschaft aufzubauen. Manchmal dürfen wir von unseren Lovern/Partnern etwas lernen und dann weiterziehen - jeder auf seinem eigenen Weg. Und dann gibt es wohl diese wenigen Connections, which are meant to stay – beyond the lovership. Die Zeit wird zeigen, ob auch diese so eine sein wird. Zumindest bin ich Moment sehr dankbar dafür.
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Vanessa
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