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  • Vanessa

LETTING GO

FEBRUAR 2020



Ich erinnere mich noch an eine ganz bestimmte Situation aus meiner Jugend. Ich meine zu glauben, wir standen in der Küche meines Elternhauses, als meine Grossmutter sagte: "Lieben heisst gehen lassen". Ich weiss nicht mehr aus welchem Kontext heraus sie diese Worte sprach. Ich muss ca. 13 gewesen sein und dachte nur: "Das klingt ja fürchterlich schmerzhaft. Das macht doch keinen Sinn. Hoffentlich muss ich nie jemanden gehen lassen, den ich liebe."

Doch schon ein paar Jahre später, mit ca. 17 Jahren, lud mich das Leben ein, mich erstmals in der Kunst des Loslassens zu üben. Mein damaliger Freund, meine erste grosse Liebe, hatte soeben mit mir Schluss gemacht und ich war truly heartbroken. Ich spürte ganz klar die starke Anhaftung, die ich zu ihm hatte. Als wären dort unsichtbare Stränge zwischen unseren Körpern, die mich ständig, immer und überall mit ihm in Verbindung hielten, mich ständig an ihn denken liessen und mich fast ununterbrochen an eine schmerzhafte Sehnsucht fesselten. Ich wusste ganz genau: "Ich muss ihn loslassen. Ich will nicht mehr leiden. Schmerz ist scheisse. Ich muss ihn loslassen." Doch es gelang mir nicht. Je zwanghafter ich mich abzulenken versuchte und meine Trauer und Wut unterdrückte, um so mehr holte mich die Leere, die er in meinem Leben und in meinem Herzen hinterliess, wieder ein. Ich verurteilte mich selbst für meine "negativen" Emotionen und meine Unfähigkeit loszulassen. Immer und immer wieder sagte ich mir: "Ich muss ihn loslassen. Leiden ist schwach. Schmerz ist scheisse. Ich MUSS ihn loslassen!"

10 Jahre später - same Story! Diesmal war es ein Typ, von dem ich selber wusste, wir sind nicht füreinander bestimmt und eigentlich will ich gar nicht länger mit ihm zusammen sein. Doch trotzdem - meine Gedanken kreisten ununterbrochen um ihn, wiederholten unsere Gespräche, rezitierten seine Aussagen (besonders die schmerzhaften) und erfanden (unrealistische) Szenarien, wie er wohl schon mit einer anderen im Bett liegt. Ich spürte, wie jeder dieser Gedanken mir ein Schwert ins Herz stiess und trotzdem konnte ich sie nicht abschalten. Ich fühlte mich wie eine Gefangene in meinem eigenen Kopf, gefoltert von meinen eigenen Gedanken. Was für ein Kampf! And again: "Ich muss ihn loslassen. Ich will nicht mehr leiden. Schmerz ist scheisse. Ich MUSS ihn loslassen!"

Auch in den letzten paar Jahren, spielte mir das Schicksal immer wieder Männer zu, zu denen ich eine Verbindung spürte, mit welchen ich aber aus diversen Gründen ihrerseits, nicht weiter Zeit verbringen konnte. Immer noch schien ich zu struggeln loszulassen bis ich mir die Frage stellen musste: WILL ich denn überhaupt loslassen?

Zurück zur ersten Story mit meiner ersten Jugendliebe. Ich erinnere mich noch in voller Lebendigkeit an einen bestimmten Abend. Ich ging aus mit zwei guten Kumpels und irgendwie erblickte einer von ihnen das süsse schwarz-weiss Foto von uns zwei, dass ich auch jetzt, zwei Jahre nach unserer Trennung, noch in meinem Portemonnaie trug. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: "Oh mein Gott, ich wollte ihn gar nie loslassen. Kein Wunder hat das nicht funktioniert." Ermutigt durch meine Freunde, nahm ich das Foto heraus, nahm einen tiefen Atemzug, zerknüllte es und warf es weg. Und ich spürte, wie das der Moment war, in dem ich WIRKLICH losliess. An diesem selben Abend, kam ich mit dem jungen Mann ins Gespräch, der nur zwei Monate später mein nächster Freund werden sollte.

Dieses Erlebnis zeigte mir auf, wie wichtig es ist, klar auf sein Herz zu hören. Wir können uns nicht zwingen, Dinge oder Menschen loszulassen, die wir nicht loszulassen bereit sind. Und trotzdem hilft uns eine klare mentale Einstellung und auch das deutliche Formulieren der Intention jemanden loslassen zu wollen extrem. Kleine Rituale, wie das wegwerfen des Fotos und aufrichtige, herzgefühlte Entschlossenheit helfen, den Prozess des heilsamen Loslassens in Gang zu setzen.

Während dieser Teil mir in den letzten Jahren immer leichter fiel, bemerkte ich noch eine zusätzliche Ebene der Anhaftung, nämlich die energetische. Bei vielen Verbindungen, die ich einging, merkte ich, dass ich die Person mehr oder weniger lange Zeit nach unserem Zusammensein noch deutlich in meinem Energiefeld spürte. Es macht für mich Sinn, dass wir als energetische Wesen ständig Energie mit unseren Mitmenschen austauschen. Und mit Menschen, mit welchen wir körperliche und/oder emotionale Nähe teilen, ist dieser Austausch wohl umso stärker. Wir wollen uns also auch energetisch von fremden Energien "reinigen und abkoppeln", die wir nicht mehr mit uns herumtragen wollen.

Ich glaube daher, dass es zum Prozess des Loslassens zum einen bewusste Entscheidungen und Taten unsererseits braucht aber gleichzeitig auch ganz viel Mitgefühl, Liebe, Ehrlichkeit und Geduld mit uns selber und der anderen Person. Denn sind wir ehrlich: das Leiden kreieren wir uns oft selbst. Durch unsere Anhaftung, durch unsere unnötigen Gedanken, durch unsere geliebte Opferrolle, durch Nichtverzeihen. Es ist nicht in unserer Kontrolle, was das Leben uns bringt. But it's our Choice, wie wir damit umgehen. Seit ich diese Verantwortung zurück zu mir genommen habe, war ich echt erstaunt, wie einfach es sein kann. Von heute auf morgen, zack, done! Darum möchte ich unten ein paar Übungen mit euch teilen, die mir persönlich sehr geholfen haben, jemanden loszulassen. 

Zum Abschluss ein Zitat meines Meditationslehrers Satyam Ahlaad: "Der Körper hat das tiefe Vertrauen, dass er auch nach dem Ausatmen (dem Loslassen) alles bekommt, was er zum Funktionieren braucht."

In dem Sinne, viel  Vertrauen und Freude beim Ausatmen und Loslassen!

Vanessa

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THINGS YOU CAN DO IF YOU WANNA LET SOMEONE GO --------------------------------------

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"So wie der gesunde Körper leicht loslassen kann, so hält im Gegensatz der Verstand fest. Der Verstand möchte eher behalten, was er denkt zu besitzen. Güter, Geld, Wissen, Status, Beziehungen werden nicht gerne losgelassen. Der Verstand verteidigt und hortet. Loslassen ist nicht seine Stärke. Der Atem hingegen lehrt uns das Loslassen. Beim Atmen hält der Körper nichts fest. Das Loslassen ist sein natürlicher Wesensteil. Im Loslassen der Luft nach dem Einatmen liegt eine Schönheit und Anmut. Der Körper hat das tiefe Vertrauen, dass er auch nach dem Ausatmen alles bekommt, was er zum Funktionieren braucht."

aus  "Du bis Bewusstsein" von Satyam Ahlaad

°  °  °

>> Atme! Setz dich hin und atme bewusst ein und doppelt so lange aus. Zähle z.B. auf 3 beim einatmen und auf 6  beim ausatmen. Wiederhole dies ein paar mal. Dann atme ein, halte den Atem an, zähle innerlich auf 10 und dann geniesse das Ausatmen. Lasse los, entspanne den Körper und dein ganzes Wesen.

>> Lasse Emotionen zu! Fühle deinen Schmerz, Wut, Traurigkeit etc. bewusst. Finde Orte und Zeiten, ihnen Platz zu geben und ihnen Ausdruck zu verleihen.

>> Werde dir deinen Gedanken (der Stimme in deinem Kopf) bewusst und mach dir klar, dass "es" denkt. Nicht DU denkst. Unsere Gedanken sind willkürlich oder weisst du was es als nächstes denkt? Gedanken sind ein Konstrukt unserer vergangenen Erfahrungen und Glaubenssätze und sind deswegen oft nicht  WAHR. Wenn du dich ertappst negatives zu denken, lenke dich ab oder richte dein Fokus auf positive Gedanken. Es ist nicht nötig, dass wir uns von destruktiven Gedanken Schmerz zufügen lassen.

>> Sei liebevoll und geduldig mit dir selber. Du darfst schwach sein, du darfst dir für diesen Prozess Zeit lassen. Du darfst auch Rückschläge und Rückfälle haben.

>> Schreibe einen Brief. Schreibe alles nieder, was du der Person noch sagen möchtest, was vielleicht ständig in deinem Kopf kreist. Es geht dabei nicht um die Person, sondern nur ums loswerden deiner Gedanken und Gefühle. Es ist nicht unbedingt die Idee, dass du den Brief abschickst. But up to you.

>> Mache ein Ritual. Wenn du dich bereit dazu fühlst, formuliere klar die Absicht, die Person loszulassen, in voller Liebe und zum besten Wohl für euch beide. Finde eine Geste, die sich für dich stimmig anfühlt. Z.B. das Verbrennen eines Fotos oder eines Zettels mit dem Namen der Person. Oder das Wegwerfen eines anderen Gegenstands, der dich mit der Person verbindet. Spüre, was es mit dir macht. Fühlt es sich erleichternd und befreiend an?

>> Hol dir Unterstützung. Sprich mit deinen Freunden, Familie oder auch mit einem Therapeuten oder einer Heilerin. Aussenstehende können uns viel wertvolle Anstösse geben.

>> Reinige dich energetisch. Verbinde dich mit der Frequenz von bedingungsloser Liebe. Mache eine Meditation und bitte die Quelle/das Universum/Spirit/Mutter Erde/deine höhere Macht all deine Körper von Restenergien der anderen Person, die sich noch in deinem System befinden und dir nicht dienlich sind, zu reinigen. Visualisiere diese Reinigung. Vielleicht spürst und stellst du dir vor, wie ein Sog von oben dunkle Energiefetzen wegsaugt. Oder wie ein Wasserfall alles wegspült. Danach bade dich in goldenem Licht und fülle die entstanden Lücken mit bedingungsloser Liebe. Bedanke dich.

>> Karmische Verstrickungen lösen. Falls du das Gefühl hast, dass es noch alte karmische Verbindungen zwischen dir und einer anderen Person gibt, welche dir Energie rauben und sich nicht dienlich anfühlen, kannst du mittels einer Meditation auch sogenannte karmische Verbindungen trennen. Folge dazu dieser Anleitung, die ich von Petra Nussbaum vom Wahe Yoga in Zürich bekommen habe. Stelle sicher dass du dich vorher und nachher gut erdest, sprich ganz bewusst deinen Körper spürst oder dir vorstellst, wie du dich mittels Wurzeln mit der Erde unter dir verbindest. Ich empfehle diese Meditation nur jenen, die schon etwas Erfahrung mit solchen Übungen haben.


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