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  • Vanessa

LIBERATE YOUR VOICE

AUGUST 2021



Weisst du noch, was du im Kindergarten am liebsten gemacht hast? Mit den Puppen spielen oder basteln? Ich glaub ich fand es am tollsten, wenn wir alle auf unseren winzigen Stühlchen im Kreis sassen, die Kindergärtnerin ihre Gitarre hervorgeholt hat und wir zusammen gesungen haben.

In diesem Alter sind wir noch frei von ungesunder Selbstkritik unserer Stimme gegenüber. Als Kinder singen wir laut und ungehemmt vom Herzen, ohne nur einen Funken Scham. Richtig oder besonders schön singen? Solche Kriterien gibt es in unserem kleinen Köpflein noch nicht. Wenn wir älter werden beginnen wir - zumindest in unserer westlichen Gesellschaft - eine gewisse Scham zu entwickeln und für viele Leute war es wohl der absolute Horror, in der Schule vor der ganzen Klasse vorsingen zu müssen. Und noch als Erwachsene trauen wir uns oft nicht vor anderen zu singen. Warum eigentlich? Wie gesagt hab ich immer schon gerne gesungen. Ich wusste auch, dass ich "richtig" singen konnte und doch fand ich meine Stimme nie besonders schön. Ich spürte sie war irgendwie blockiert. Ich hatte Mühe hohe Noten zu singen und fühlte mich in meinem Ausdruck eingeschränkt. In meinem Herzen fühlte ich die Melodien, die ich gerne singen möchte aber meine Stimme konnte sie nicht gut genug ausdrücken. Deswegen stempelte ich meine Gesangskünste als "nicht gut genug" ab und beschloss, sie waren es nicht Wert, gezeigt und gehört zu werden. Diese Metapher lässt sich auch auf das Leben vieler Menschen übertragen. Als Teenager fühlte ich mich auch in anderen Bereichen "nicht gut genug" und schämte mich, mich zu zeigen oder hatte Angst "eine eigene Stimme zu haben". Immer wieder spürte ich, dass mein Hals blockiert war. Ich sprach eher leise und nuschelte, was vorallem meine Oma immer wieder betonte. Hatte meine Meinung überhaupt einen Wert? Wenn es in einer Situation unangenehm wurde und es darum ging meine (unbequeme) Wahrheit zu sprechen, verschloss es mir buchstäblich den Hals und ich brachte kein Wort raus. Es fühlte sich an, als hätte ich den sprichwörtlichen Klos im Hals, der all die Worte, Gefühle, Gedanken in meinem Körper gefangen hielt. In dieser Zeit bekam ich schlimme Hautausschläge und ich verstand, dass ich das alles nicht mehr länger einfach runterschlucken konnte. Ich musste lernen, meinen Hals zu öffnen und meine Stimme als Ventil zu nutzen. Und so realisierte ich, dass singen meine Medizin sein kann. So führte mich das Leben auf meinen Reisen immer wieder mit Musikern zusammen, die mich ermutigten zu singen, sogar auf Bühnen. Es brauchte viel Mut, doch ich spürte, wie mit der Freude, meine Stimme mit anderen zu teilen, auch mein Selbstvertrauen wuchs und mein Herz sich öffnete. Und mit meinem Herzen auch mein Hals. Eine noch tiefere Ebene nahm alles an, als ich 2015 Kirtans für mich entdeckte. Diese "Mantra Singkreise" versetzen mich nicht nur in States of total Bliss, sondern sie rührten mich praktisch jedes mal zu Tränen. Es fühlte sich an wie Bliss Tears, weil mich die Schönheit der Harmonien so berührte aber wie ich so schreibe merke ich, dass in diesen Momenten Heilung stattfand. Dass es auch alte Trauer, Wut, Schmerz oder was auch immer war, die nun über meine Stimme (und Augen) mein System verlassen durften. Blockiertes, das durch die Vibrationen meiner Stimmbänder nun in Bewegung gebracht wurde. Lasst uns also wegkommen von dieser rein künstlerischen oder performanceorientierten Sicht aufs Singen und Musizieren, sondern erinnern wir uns daran, wie unsere Vorfahren zusammen am Feuer sassen und zusammen sangen. Ohne Wertung, ohne Anspruch auf Perfektion, einfach zum Spass oder als Gebet. Deswegen liebe ich auch Kirtans bzw. Bhakti Yoga - das Praktizieren von bedingungsloser Liebe und Hingabe zum Göttlichen / dem grossen Mysterium / Mutter Erde / dem Universum. Dieser Weg führt übers Herz und nichts öffnet das Herz einfacher als Musik und Gesang. Während meinen 6 Wochen in Rishikesh beobachtete ich die in orange gekleideten Sadhus jeden Tag, wie sie sich am Ganges versammelten um Offerings zu machen, zu beten, chanten und singen. Spätestens dort wusste ich, dass ich meine Art von Meditation gefunden hatte. Dass singen also diese spirituelle und therapeutische Komponente hat, hat mich von der Vorstellung weggebracht, meine Stimme muss irgendwelchen artistischen Ansprüchen gerecht werden. Denn darum geht es hier nicht. Es geht um den Selbstausdruck und um Selbstheilung, um Verbindung und Harmonie. Es geht um den Ausdruck von Hingabe und das kreieren einer Frequenz, die einem Hühnerhaut gibt - so kraftvoll ist sie. Ich muss zugeben, es hat einige Jahre gedauert und viel Arbeit gebraucht bis es sich jetzt ziemlich natürlich anfühlt vor Leuten zu singen. But the journey continues. Ich spüre auf jeden Fall, dass da noch einiges rauskommen will ;). Deswegen freue ich mich diesen Monat besonders auf den NEW MOON SINGING CIRCLE! Wie ist deine Beziehung zu deiner Stimme? Wie fühlst du dich, wenn du singst? Maybe singing can your medicine too?! Vanessa

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