The body remembers
- Vanessa

- vor 15 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
März 2026

Ich komme gerade aus fünf Tagen Weiterbildung in Somatic Experiencing und möchte euch gerne etwas darüber erzählen.
Als ich vor rund acht Jahren LAYA bodywork ins Leben gerufen habe, habe ich mich – wie es der Name sagt – der Arbeit mit dem Körper verschrieben. Angefangen mit Massagen sind über die Jahre verschiedene weitere Angebote rund um die Verbindung von Body, Mind & Soul hinzugekommen. Was all meine Angebote jedoch immer gemeinsam hatten, war, dass sie den Menschen ermöglichen sollten, in einen Zustand der Entspannung, Ruhe und dadurch zu mehr Wohlbefinden zu kommen.
Neben der Liebe für den Körpertempel hatte ich aber auch immer schon eine tiefe Faszination für die menschliche Psyche. Insbesondere für Traumathemen und wie Erfahrungen uns als physische, aber auch als spirituelle Wesen prägen. Als ich dann vor ein paar Jahren im SOMATIC EDUCATION FOR WOMEN Training von der signifikanten Verbindung von Körper, Nervensystem und Trauma erfuhr, kam für mich vieles zusammen.
Bis vor einigen Jahrzehnten wurde Trauma und seine teilweise verheerenden Auswirkungen auf uns Menschen als rein psychologische Angelegenheit betrachtet. Ohnehin galt in unserer westlichen Medizin der Kopf, sprich die Psyche, sehr lange als «getrennt» vom Körper. Sogenannte Geisteskrankheiten wurden auch auf rein geistiger Ebene behandelt, sprich mit Psychoanalyse, Gesprächstherapie usw.
Erst vor wenigen Jahrzehnten tat sich ein neuer Forschungszweig auf, der nun zunehmend das Nervensystem ins Zentrum der Stress- & Traumaarbeit stellte. Denn Schockerfahrungen, in denen ein Mensch etwas potenziell Lebensbedrohliches erlebt, wie z.B. Übergriffe, Gewalt, Unfälle, Naturkatastrophen usw., sind vor allem Reaktionen des Nervensystems. Wenn Gefahr droht, nimmt dies unser Körper über die Sinne innert Millisekunden wahr, leitet Impulse an unser Hirn, welches wiederum über das zentrale Nervensystem die Botschaft KAMPF, FLUCHT oder ERSTARRUNG an den Körper sendet. Es kommt zu einer starken Aktivierung des Sympathikus, welcher uns mit der nötigen Energie, Kraft und Fokus für einen möglichen Kampf oder eine Flucht versorgt. Scheint eine erfolgreiche Abwehr der Gefahr oder eine Flucht unwahrscheinlich, wählt unser System die Strategie Erstarrung – Freeze. Wie wir bei manchen Tieren beobachten können, ist auch der Todstellmechanismus eine effektive Abwehrmethode vor bedrohlichen Angreifern.
Und da wir Menschen dem Tier nicht ganz ungleich sind, reagieren wir in Momenten grosser Angst gleich – nur dass sich unser Schock nicht immer ganz so einfach aus Mark und Bein schütteln lässt, wie unsere vierbeinigen Freunde das jeweils tun.
Einfach gesagt ist Trauma also eine Überforderung des Nervensystems, von welcher wir uns nicht automatisch wieder selbst regulieren können. Too much, too fast, too soon.
Somit sind Ansätze, welche das Nervensystem nicht mit einbeziehen, nur mässig erfolgreich beim nachhaltigen Heilen von Trauma und Stress und den «psychischen» Konditionen, welche daraus entstehen (Burnout, Depressionen, Angstzustände, Suchterkrankungen usw.). Das habe ich auch am eigenen Körper erfahren. Denn obwohl ich seit über zehn Jahren vor allem mental an gewissen Themen arbeite, merke ich, dass sie immer noch genau dieselben Trigger auslösen. Ja, ich habe verstanden, woher meine Reaktionen kommen, weiss, warum genau sie passieren, doch das hält meinen Körper nicht davon ab, immer mal wieder in eine subtile Schockstarre zu flüchten. Ich nehme dann wahr, wie mein Magen sich zusammenzieht, mein Hals sich zuschnürt, mein Atem oberflächlich wird, meine Stimme verstummt, mein Blick leer wird.
Was ich jetzt in der Arbeit mit Somatic Experiencing verstanden habe, ist, dass mein System manchmal immer noch in eine leichte Dissoziation verfällt, auch wenn ich rational erkenne, dass die Situation jetzt nicht wirklich lebensbedrohlich ist. Dies deutet darauf hin, dass mein Nervensystem quasi noch irgendwo festhängt, dass es noch nicht wieder vollständig zurück in die Sicherheit gefunden hat.
Und genau das machen wir beim Somatic Experiencing. Wir schaffen Raum, damit sich die gestaute Energie von Angst und Schock bewegen und sich nach und nach entladen kann. Ganz sanft und in kleinen Dosen. Wir wollen den Menschen von starker Erregung (fight & flight responses) in die Sicherheit und Entspannung (rest & digest) bringen. Und da arbeiten wir ganz gezielt mit dem Körper und all den Zeichen, die er uns gibt – oft auch ohne, dass wir uns deren bewusst sind.
Dabei spielt die Wahrnehmung von Körperempfindungen eine grosse Rolle. Indem wir unser Bewusstsein in unseren Körper lenken, erlauben wir der bisher gefangenen Energie, sich ganz natürlich zu entladen. Dies äussert sich bei mir z.B. oft mit einer aufsteigenden Hitze, welche durch meinen Nacken in den Kopf hinaufströmt. Werde ich angeleitet, bei dieser Empfindung zu bleiben, kann ich beobachten, wie sie sich verändert. Wie sie vielleicht schwächer wird oder weniger heiss oder sich in andere Körpergegenden ausbreitet. Manchmal breitet sich die Energie aber auch in einer Weise in meinem Kopf aus, bei der es mir etwas schwindlig wird und mein Blick neblig wird. Dann merke ich, wie mein Fokus zerfliesst und ich abdrifte. In diesem Fall holt mich meine Begleiterin durch eine Intervention aus meinem dissoziativen Zustand zurück, z.B. durch Kontakt- oder Bewegungsimpulse oder durch Orientierung im Aussen. Irgendwann merke ich dann, dass ich wieder klarer werde, tiefe Atemzüge nehme, meine Augen leicht wässrig werden und ich anfange zu gähnen. Alles Anzeichen des Körpers, dass sich Energie am Entladen und das Nervensystem im Parasympathikus angekommen ist. Wir berühren also kurz und sanft die Erregung und reisen dann wieder zurück in die Ruhe.
Indem wir immer wieder zwischen diesen verschiedenen Zuständen des Nervensystems hin- und herpendeln, erlauben wir unserem System, Spannungen abzubauen und mehr Resilienz und Lebendigkeit zu verankern. Seit dem Beginn meiner Ausbildung im September durfte ich bereits viele spannende Sessions erleben und lerne unglaublich viel über mich selbst und die Intelligenz unseres Körpers. Und ich liebe es, dass diese Methode so sanft ist, langsam und behutsam – quasi das Antidot für «too much, too fast». Sie arbeitet mit dem Hier und Jetzt und stellt die Rückverbindung mit dem «felt sense», dem erlebten Wahrnehmen unseres Körpers, in den Mittelpunkt.
Und natürlich hilft Somatic Experiencing nicht nur bei grossen Schocktraumata. Man kann wohl sagen, dass wir alle ein wenig traumatisiert sind. Das gehört wohl zum Leben dazu. Wir alle haben – viele von uns auch schon als Kinder – Momente oder Phasen der Überwältigung erlebt. Darum glaube ich, dass wir alle von dieser Arbeit profitieren können. Ich freue mich auf jeden Fall zu sehen, was sie für meine eigene Heilung tun wird, und kann es kaum erwarten, vielleicht auch euch darin zu begleiten, wieder in euren Körper und in die Sicherheit zu kommen.
Alles Liebe,
Vanessa
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