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  • Vanessa

WE SHOULD ALL BE FEMINISTS

DEZEMBER 2022


Wer mich, meine Arbeit und Weltanschauung schon etwas kennt, wird sich nicht wundern, dass ich überzeugte Feministin bin. Das Thema war in den letzten Wochen und Monaten wieder sehr präsent bei mir. Nicht zuletzt wegen aktuellen Ereignissen, die gerade die Menschen in verschiedenen Teilen der Welt beschäftigen, wie z.B. die Debatte über das Recht auf Abtreibung in den USA, der Entschluss über die Erhöhung des Rentenalters hier in der Schweiz und natürlich die tragischen aber auch revolutionären Ereignisse im Iran. Überall gehen Frauen auf die Strasse und fordern Gleichstellung, Selbstbestimmung und die Befreiung von Unterdrückung und Bevormundung. Die Themen sind vielseitig und variieren je nach Land, Kultur, Rasse oder Zeit. Doch die gemeinsame Message ist klar: Schluss mit der Ungleichbehandlung. Schluss mit der systematischen Benachteiligung. Schluss mit der finanziellen Ungerechtigkeit. Schluss mit der Gewalt. Schluss mit der Enteignung unserer Körper. Schluss mit der Schändung unserer Sexualität. Schluss mit ... die Liste wäre noch lang. Geboren in der Schweiz gegen Ende der 80er Jahre, schien mir mein weiblicher Körper nicht viele merkliche Nachteile zu bescheren. Im Gegenteil - ich war immer froh ein Mädchen zu sein, da ich fand, dass Mädchen klüger, warmherziger und vielseitiger begabt waren als Jungs und bei den Lehrern und Eltern bessere Karten hatten. Ich genoss mein Frausein und fühlte mich schon früh als Feministin, auch wenn ich damals wohl noch kein Wort dafür hatte. Natürlich gab es in meinem Leben auch Situationen, in denen ich die Ungleichbehandlung und Verletzlichkeit meines Geschlechts erlebte. Aber das war nicht mein Antrieb zu meiner feministischen Einstellung. Es war wohl eher eine zelltief gefühlte Empathie mit anderen Frauen. Frauen mit anderen Schicksalen, aus anderen sozialen Schichten, aus anderen Ländern, anderen Kulturen und anderen Zeiten, die sehr offensichtlich unter patriarchalen Strukturen litten. All die Geschichten über die Schicksale von Frauen, die durch zahllose Dokumentationen, Bücher, Reportagen, Artikel und Erzählungen zu mir fanden, machten mich unglaublich wütend. Nichts anderes, ausser die Zerstörung der Umwelt, macht mich so wütend, wie die Unterdrückung der Frauen. Im Buch "Ökofeminismus. Die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker" zeigen die zwei Autorinnen auf, wie sehr die Ausbeutung und Zerstörung der Erde mit der Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen und den indigenen Völkern zusammenhängt. Mutter Erde ist weiblich. Und Frauen sind wie die Natur: fruchtbar, nährend, wild, zyklisch, intuitiv und verbunden. Und DAS ist die Kraft, die das Patriarchat fürchtet. Vielleicht ist es kein Zufall, dass nun zeitgleich mehr Gerechtigkeit und Respekt für Frauen und Minderheiten, aber auch für den Planeten gefordert wird. Zweifellos hat sich die feministische Bewegung seit den 60er Jahren verändert. Es scheint mir, früher ging es vor allem um mehr Rechte und das Aufbrechen der konservativen Geschlechterrollen. Das tut es auch heute noch. Aber jetzt gibt es auch noch die "Body Positive"-Bewegung, welche einen super offenen Diskurs und die Enttabuisierung von Vaginas, Vulvas, weiblicher Lust und Menstruationsblut fordert. Es ist also längst nicht mehr nur der Kampf um mehr Unabhängigkeit und Mitspracherecht, sondern Frauen fangen an, ihr weibliches Dasein zu lieben und es in all seiner chaotisch, wilden, verletzlichen und blutigen Schönheit zu reclaimen. Somit hat sich auch das Bild der Feministin in der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Waren Feministinnen früher in den Köpfen der Leute noch die unverheirateten, unrasierten, unbegehrenswerten und wütenden Radikalen, ist Feministin sein heute trendy und Mainstream - Spice Girls und Beyoncé sei Dank? Die Bewegung ist heute viel bunter und vielseitiger, find ich, und wird von Menschen aus allen möglichen Backgrounds, Schichten, Altersgruppen und Lifestyles verkörpert. Obwohl ich Politik sehr spannend finde und sich meine innere Aktivistin immer mal wieder bemerkbar macht, geht es mir beim Feminismus nicht nur um gesetzliche Gleichstellung. Mein grösster Respekt und High Fives gehen an die mutigen Frauen da draussen, die sich um diese gesetzliche und strukturelle Ebene der Revolution kümmern. Was mir persönlich mehr am Herzen liegt, ist die Befreiung der Weiblichkeit von Innen heraus. Die liebevolle Verbindung zu unserem Körper. Die Rückverbindung zu unserer zyklischen Natur. Das Reclaimen unserer Lust und unseres sexuellen Ausdrucks. Das Erkennen unserer inneren Kraft und Schönheit. Und das Heilen der Beziehungen zwischen uns Frauen. Und zwischen Männern und Frauen. Diese Prozesse beginnen nicht auf der Strasse oder in Regierungszimmern. Sie beginnen IN uns. In unseren Wombs. In unseren Herzen. Wir können noch so lange im Aussen schreien. Solange wir uns selber disconnected, abstossend, minderwertig und machtlos fühlen, wird es einfach bleiben, uns zu kontrollieren und klein zu halten. Und klar, es braucht ganz viel Aktionen auf ganz vielen Ebenen, but I think the true revolution has to come from within.

"We should all be feminists" ist der Titel eines Buches der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie. Ihre Definition von Feminismus ist ganz einfach „jemand, der/die an die soziale, politische und ökonomische Gleichheit der Geschlechter glaubt". Es sollte doch im Interesse einer Gesellschaft stehen, eigenständige, verbundene und glückliche Frauen zu haben, denn bekanntlich sind sie das Rückgrat einer Gesellschaft. Wie schön wäre es, wenn sich alle Geschlechter auf Augenhöhe begegnen können? So yes, ich finde in diesem Sinne sollten wir alle Feminist*innen sein.

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Vanessa

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